Dienstag, 22. September 2015

Im Berg ist alles anders... - Grabung Bergwerk 2015

Es ist wieder Herbst und wir alle wissen, was das heißt: Grabungskampagne am (und vor allem im) Hallstätter Salzberg.
Das diesjährige Grabungsziel ist, wie ich gerade merke, gar nicht so leicht zu erklären.
Jeder, der sich schon einmal mit dem bronzezeitlichen Salzbergbau in Hallstatt beschäftigt hat, kennt wohl die schematische Darstellungen der Abbauhallen und ihres Versturzes um 1050 v. Chr.
Schema des Niedergangs des bronzezeitlichen Salzbergbaus (Bild: Reschreiter, Gröbner)

Dass es sich hierbei aber eben nur um ein Schema handelt, ist klar. Die Situation mit der wir tatsächlich konfrontiert sind und die wir zu verstehen versuchen, zeigt sich weitaus komplizierter. Mehr darüber gleich.
Die Gesamtsituation zu begreifen, ist im Berg allerdings nicht allzu einfach. Die erste Herausforderung ist, dass man nicht, wie auf einer normalen Grabung an der Oberfläche, einfach aus dem Befund heraussteigen, einen Schritt zurück machen und das Ganze überblicken kann. Wenn wir einen Schritt zurück machen wollen, ist da für gewöhnlich entweder die Stollenwand oder ein tiefes Loch! Wir stehen also mittendrin und versuchen, den uns umgebenden Befund dreidimensional zu visualisieren.
Bedingt durch den hohen Bergdruck und die Verfüllung aus Tagmaterial (sprich: gepresster Gatsch) können wir allerdings auch nur recht kleine und schmale Stollen durch den Berg graben, was wiederum den Gesamtüberblick auf den Befund erschwert.


Einer unserer Forschungsstollen im
Hallstätter Salzberg (Bild: Andreas W. Rausch)
Mit jedem neuen ergrabenen Meter läuft man also Gefahr, dass sämtliche bisher aufgestellten Theorien über den Haufen geworfen werden - oder neue entstehen.
So geschehen erst letzte Woche, als sich bei einem genaueren Blick auf die Profile der Verdacht erhärtete, dass es sich nicht um eine einzige große Abbauhalle handeln könnte, die von einer einmaligen Katastrophe zerstört wurde. Momentan sieht es so aus, als untersuchten wir mehrere unterschiedliche Betriebsphasen des Bergbaus und mindestens zwei Verschüttungen.
Um diese Hypothese festigen zu können, arbeiten wir derzeit an mehreren Fronten. Die erste und derzeit wesentlichste ist, die Profile, von denen wir uns Aufschluss auf diese Mehrphasigkeit erhoffen, detailgenau frei zu legen und zu reinigen. Diese Profile werden dann in tausenden von Einzelbildern fotografisch dokumentiert, zu einem hochauflösenden 3D-Modell zusammengesetzt und gleichzeitig zu einem entzerrten Übersichtsfoto verarbeitet.



Und wenn wir diese Profile dann erst einmal frei beweglich als Computermodell oder als Überblick an der Wand in unserem Grabungsquartier hängen haben, klappt auch die Sache mit dem Schritt zurück und schon ist man der Betriebsblindheit entkommen und kann wieder nach Herzenslust interpretieren.


(von Fiona Poppenwimmer)

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